Zentrum f. Literatur- u. Kulturforschung, Schützenstr. 18, 10117 Berlin, 3. Et., Trajekte-Tagungsraum 308
Konzeption und Organisation: Petra Boden und Dorit Müller
Anliegen der Tagung ist es, Popularisierungsprozesse in unterschiedlichen historischen Konstellationen auf Ursachen und Konsequenzen medialen Wandels zu beziehen. Zeitlicher Ausgangspunkt sind die durch die „Leserevolution“ nach 1800 vorbereiteten und spätestens seit 1850 einsetzenden medientechnischen Umgestaltungen populärer Wissensverbreitung: Beginnend mit der Herausbildung der illustrierten Zeitschriftenkultur haben die nachfolgende Verwendung von Fotografie, Film und Internet als Popularisierungsmedien nicht nur neue Formen und Strategien der Wissenspräsentation hervorgebracht, sondern auch die Produktionspraktiken und die Rezeption populären Wissens maßgeblich verändert.
Ausgehend von dieser These wird auf der Tagung einerseits nach den diskursiven und institutionellen Bedingungen von Wissensverbreitung gefragt. Andererseits richtet sich die Aufmerksamkeit auf die medientechnischen Voraussetzungen und die mediale Verfasstheit populärer Wissensinhalte. Folgende Fragen finden besondere Berücksichtigung:
- Unter welchen Bedingungen werden Medien für die Verbreitung bestimmter Wissensbestände interessant?
- Wie lenken Distributions- und Präsentationsmedien die Auswahl, Verknüpfung und Perspektivierung von Wissensbeständen?
- Wie wirkt sich Medienkonkurrenz auf Popularisierungsstrategien aus?
- Auf welche Weise realisieren unterschiedliche Medien Hybridbildungen und welchen Einfluss nehmen diese auf die Spezifik des „Wissens“?
- Wie steuern Massenkommunikationsmedien die Rezeptionsformen einer breiten Öffentlichkeit und wie wirkt die Ausdifferenzierung der Öffentlichkeit auf den Produktions- und Vermittlungsprozess wissenschaftlichen Wissens zurück?
Aus interdisziplinärer Perspektive werden Historiker, Literatur- und Kunstwissenschaftler, Soziologen und Medienwissenschaftler unterschiedliche Zugänge und Beschreibungsmodelle des komplexen Zusammenhangs diskutieren und sich mit unterschiedlichen Formaten populären Wissens sowie ihren Ausprägungen und Transformationen in verschiedenen Wissenskulturen auseinandersetzen. Bisher unternommene Erkundungen zum Thema sollen zusammengeführt, erweitert und mit den Einsichten avancierter Medienforschung verknüpft werden.
PROGRAMMFreitag, 23. November 200710.00 Uhr
Petra Boden (ZfL): Begrüßung und Einführung
Theoretische und methodische Voraussetzungen10.15 Uhr
Carsten Kretschmann (Stuttgart): Wissenspopularisierung: Verfahren und Beschreibungsmodelle
11.30 Uhr
Dorit Müller (ZfL): Formatierungen und Transformationen populären Wissens im Medienwandel
12.15 Uhr
Arlena Jung (Bielefeld): Effekte medialer Dauerbeobachtung von Wissenschaft zwischen Akzeptanz und Glaubwürdigkeitsverlust
Formate populären Wissens14.30 Uhr
Hedwig Pompe (Bonn): So Vieles, so schön: Bildstrategien auf Zeitungs- und Zeitschriftentiteln
15.15 Uhr
Angela Schwarz (Siegen): Vom Maschinenpark zum Futurama: Popularisierung von Wissenschaft und Technik auf Weltausstellungen (ca. 1890-1940)
16.30 Uhr
Jens Ruchatz (Erlangen): Vorträge sind Silber, Dias sind Gold. Medienkonkurrenz im Projektionsvortrag
17.15 Uhr
Ramon Reichert (Linz): Die Herstellung des gelehrigen Blicks
18.00 Uhr
Barbara Wurm (Wien): Buchstabentänze, Fieberkurven, Mikrobenwelten: Animiertes Wissen im frühen sowjetischen Kulturfilm
Samstag, 24. November 2007Wissensbestände – Wissenskulturen10.00 Uhr
Stefanie Samida (Tübingen): Heinrich Schliemann und die deutsche Presse: Medialisierung, Popularisierung, Inszenierung
10.45 Uhr
Nicolai Hannig (Bochum): Verwissenschaftlichung, Aufarbeitung und Demokratisierung. Die Popularisierung des Religiösen im medialen Wandel der frühen Bundesrepublik
12.00 Uhr
Manuela Günter (Köln): Popularisierung literarischen Wissens: Zum Verhältnis von Autorenporträt und der Etablierung der Universitätsgermanistik im 19. Jahrhundert
12.45 Uhr
Sigrid Nieberle (Greifswald): Philologie auf der Leinwand? Helden der Literaturgeschichte im Kino der Weimarer Republik
15.00 Uhr
Thomas Wegmann (Berlin): Kosmetik und Hygiene: Zur Evidenz bakteriologischen Wissens in der Reklame um 1900
15.45 Uhr
Abschlussdiskussion
Kontakt:Dr. Dorit Müller
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Berlin
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